
NRW-Wirtschaft unter Druck: Verbraucher müssen mit weiteren Preissteigerungen rechnen
Die Wirtschaft in NRW leidet weiter unter den Folgen des Iran-Kriegs und steigender Energiepreise. Konjunkturforscher warnen: Viele Unternehmen wollen höhere Kosten erst in den kommenden Monaten an Verbraucher weitergeben.
Veröffentlicht: Donnerstag, 28.05.2026 12:13
Interview mit NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur erläutert im Interview mit José Narciandi, dem Leiter unseres Landtagsstudios, die aktuelle Entwicklung der Konjunktur in NRW.
Energiepreise treffen NRW besonders hart
Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Besonders betroffen seien energieintensive Branchen wie die Chemie- und Metallindustrie. Gleichzeitig rechnen die Forscher damit, dass steigende Kosten vieler Unternehmen bald auch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen werden.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur sieht den Iran-Krieg als entscheidenden Auslöser für die aktuelle Entwicklung.
„Der Iran-Krieg ist auf alle Fälle der exogene Schock, der Nordrhein-Westfalens Wirtschaftswachstum jetzt deutlich mit beeinflusst“
Das sagte Neubaur im Interview. Die Preissteigerungen bei fossilen Rohstoffen träfen Nordrhein-Westfalen als Industriestandort besonders stark.
Unternehmen geben Kosten weiter
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammern NRW plant inzwischen mehr als jedes zweite Unternehmen, gestiegene Kosten an Kunden weiterzugeben. Gleichzeitig bleibt die Stimmung in vielen Betrieben pessimistisch. Viele Unternehmen verschieben Investitionen oder halten sich bei Neueinstellungen zurück.
Neubaur betonte, das Land wolle Unternehmen beim Umbau der Wirtschaft unterstützen:
„Wir unterstützen diejenigen, die für sich unternehmerisch vernünftig entscheiden, sie wollen unabhängig werden von Öl und oder Gas."
Nordrhein-Westfalen setze dabei auf schnellere Genehmigungen und Investitionen in erneuerbare Energien.
Arbeitsmarkt schwächelt
Auch der Arbeitsmarkt zeigt laut RWI erste Folgen der schwachen Konjunktur. Nachdem die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im vergangenen Jahr noch gestiegen war, rechnen die Forscher nun mit einem Rückgang um etwa 7.000 Stellen. Besonders in der Industrie gehen Arbeitsplätze verloren.
Dennoch sieht die Landesregierung langfristig Chancen im Umbau der Industrie.
„Das Ziel der klimaneutralen Industrieregionen ist nicht eine Frage von Ideologie, sondern es ist ein Beseitigen einer einseitigen Abhängigkeit von Öl und oder Gas."
Das sagte Neubaur im Interview mit uns. Der Wandel werde Zeit brauchen und zunächst auch Geld kosten.
Hoffnung auf Erholung im kommenden Jahr
Für 2027 prognostiziert das RWI wieder eine leichte wirtschaftliche Erholung in Nordrhein-Westfalen. Öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität sollen dann neue Impulse geben. Auch der private Konsum könnte sich stabilisieren - vorausgesetzt, der Iran-Krieg eskaliert nicht weiter.
Neubaur fordert in diesem Zusammenhang zusätzliche Maßnahmen des Bundes. Vor allem die versprochene Senkung der Stromsteuer müsse kommen.
„Das ist ein Rahmen, der unbürokratisch für alle Anreiz bietet, die Elektrifizierung der Wärme oder auch der Mobilität in die Wege zu leiten."
Autor: José Narciandi
Mit Informationen aus der Pressekonferenz am 28.05.2026 im NRW-Wirtschaftsministerium, dem Konjunkturbericht der IHK NRW und dem Konjunkturbericht des RWI - Leibniz Instituts für Wirtschaftsforschung


