
Hitzewellen in Mönchengladbach: Feuerwehr, Altenheime und Kliniken schlagen Alarm
Der Sommer 2026 hat Mönchengladbach mit intensiven Hitzewellen vor große Herausforderungen gestellt. Feuerwehr, Altenheime und Krankenhäuser sprechen teilweise von katastrophalen Zuständen und sorgen sich, wie sie mit zukünftigen Hitzewellen umgehen sollen – zumal es vielerorts noch an Klimatisierung fehlt. Sie fordern deshalb mehr Unterstützung und eine bessere Vorbereitung auf die Folgen des Klimawandels.
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Nach der vorläufigen Sommerbilanz des Deutschen Wetterdienstes war der Sommer 2026 der zweitwärmste Sommer seit Beginn der Messungen 1881. Beispiellos war die Häufigkeit der Hitze: Deutschlandweit wurden durchschnittlich rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 °C und etwa fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 °C ermittelt. Das hat Menschenleben gekostet: Das Robert-Koch-Institut spricht mittlerweile von 15.800 hitzebedingten Sterbefällen in Deutschland in diesem Sommer, 9.600 davon allein während der Hitzewelle Ende Juni. Auch in Mönchengladbach gab es zahlreiche Hitzepatienten und Sterbefälle.
Feuerwehrmann: "Es war meiner Meinung nach eine Katastrophenlage"
Ben ist seit über 25 Jahren Feuerwehrmann in Mönchengladbach. Er hat im Interview mit Radio 90,1-Redakteurin Anika Peltzer darüber gesprochen, wie er die extreme Hitzewelle vom 22. bis zum 28. Juni im Dienst erlebt hat. Ben beschreibt die Situation als Katastrophenlage und glaubt, dass wir nicht gut genug auf den Klimawandel und zunehmende Hitzewellen vorbereitet sind. Seinen Namen und seine Stimme haben wir verändert, damit er ganz offen über seine Erlebnisse und seine Einschätzung sprechen kann.
Einschätzung der Stadt
Die Stadt bewertet zunehmende Hitzeperioden als wachsende Herausforderung für Feuerwehr und Rettungsdienst, wie sie auf Radio 90,1-Anfrage mitteilt. Um die Gesundheit der Einsatzkräfte zu schützen und die Einsatzbereitschaft sicherzustellen, würden bei entsprechenden Wetterlagen je nach Situation zusätzliche Getränke, Verschattungs- und Kühlmöglichkeiten sowie angepasste Kleidung bereitgestellt, heißt es. Gleichzeitig werde die personelle und logistische Einsatzplanung angepasst, um mögliche Belastungsspitzen abzufangen. Auch baulich reagiere man auf die steigenden Temperaturen: Einige Feuer- und Rettungswachen sind bereits klimatisiert, weitere sollen entsprechend nachgerüstet werden. Bei Neubauten werde eine Klimatisierung standardmäßig in der Planungsphase berücksichtigt.
Altenheime schlagen Alarm
Auch die Träger der Altenheime und Pflegeeinrichtungen in Mönchengladbach wünschen sich eine bessere Klimatisierung. Die Sozial Holding sagt auf Radio 90,1-Anfrage, dass die Belastungsgrenze der Bewohner und Mitarbeiter durch die Hitze Ende Juni überschritten war. Es gebe zwar ein Hitzeschutzkonzept, aber bei der extremen und langanhaltenden Hitze hätten diese Maßnahmen nicht mehr ausreichend geholfen. Vor allem bei kranken und sterbenden Bewohnern habe sich der Zustand durch die Hitze teilweise so stark verschlechtert, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Das Thema Hitze müssen endlich ernst genommen werden und es brauche von der Politik eine echte Krisenplanung dazu – genau, wie zu Stromausfällen oder Starkregen, findet die Sozial Holding. Die Altenheime müssten zahlreiche gesetzliche Anforderungen in den Gebäuden erfüllen, aber bisher nicht zum Hitzeschutz. Dafür brauche es eine finanzielle Förderung. Die Sozial Holding erzählt, dass sie bereits vor zehn Jahren bei der Planung ihrer Einrichtung in Hardterbroich Klimatisierung in die Baukosten mit aufnehmen wollte, es dazu aber „keine Möglichkeit“ gegeben habe. Man würde sich einen Fördertopf wünschen, um möglichst zügig für Klimaanpassungen sorgen zu können.
Die Caritas schildert die Situation ähnlich. Man habe den Eindruck, dass die Verantwortung zwischen Bund und Land hin- und hergeschoben werde. Teilweise seien in ihren Einrichtungen etwa Aufenthaltsräume klimatisiert oder Dächer begrünt, um die Gebäude kühler zu halten. Auf Dauer würde das aber nicht ausreichen. Während der Hitzetage Ende Juni habe ein Bewohner ins Krankenhaus gemusst. Zudem sei auch ein Mitarbeiter kollabiert, der mit dem Krankenwagen in eine Klinik gebracht werden musste.
Auch bei der Diakonie habe es einige Notfälle durch ein Zusammenspiel aus Hitze, Krankheit und Medikamenten gegeben, heißt es. Außerdem seien auch hier Mitarbeiter durch die Hitze ausgefallen, was die ohnehin schon angespannte personelle Lage noch schwieriger gemacht habe. Man wünsche sich etwa Ehrenamtler, die in solchen Situationen unterstützen und zum Beispiel Wasser verteilen könnten. Außerdem brauche es weniger Bürokratie bei der Beantragung von Fördermitteln. Die Diakonie prüfe die Möglichkeit einer Dach- und Fassadenbegrünung, um die Gebäude kühler zu halten und auf zukünftige Hitzewellen besser vorbereitet zu sein.
Krankenhäuser zeigen sich besorgt
In den Mönchengladbacher Krankenhäusern ist die Lage bei Hitzewellen ebenfalls angespannt. Damian Schubert, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Bethesda-Krankenhaus, schätzt, dass an dem extremen Hitzewochenende vom 27. und 28. Juni bei ungefähr 20 Prozent der Patienten die Hitze mit verantwortlich war. Die Krankheitsbilder und Symptome hätten dabei von Dehydration bis zum Hitzschlag gereicht. Eine erhebliche Anzahl an Patienten habe stationär und auch intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Die größte Herausforderung habe darin bestanden, innerhalb kurzer Zeit eine deutlich erhöhte Zahl teilweise kritisch kranker Patienten parallel zur regulären Notfallversorgung zu behandeln. „Extreme Hitze führt nicht nur zu klassischen Hitzenotfällen, sondern verstärkt gleichzeitig internistische Erkrankungen“, erklärt der Chefarzt. Vor allem bei Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Lungenerkrankungen habe sich der Zustand durch die Hitze deutlich verschlechtert. Ein großer Vorteil im Krankenhaus Neuwerk sei, dass einige Bereiche wie die Zentrale Notaufnahme, die Intensivstation, die Beobachtungsbereiche sowie Teile der Bettenstationen bereits klimatisiert oder temperiert seien.
Die Kliniken Maria Hilf sagen auf Radio 90,1-Anfrage, dass man noch Glück dadurch habe, dass die Gebäude jünger und moderner sind. Wenn die Außentemperaturen über 32 Grad erreichen, werde es aber auch hier trotzdem sehr heiß. Ohne Klimaanalagen sei es ab einer bestimmten Temperatur sehr schwer, die Situation für Patienten erträglich zu halten. Man habe aber eine Hitze-AG gegründet, die unter anderem festhalten soll, an welchen Stellen im Krankenhaus es bei Hitze besonders unerträglich wird. Die AG soll zudem auch über Möglichkeiten zur Entlastung des Personals nachdenken – vorstellbar seien zum Beispiel mehr Pausen oder Kältewesten.
Das Krankenhaus Neuwerk habe Ventilatoren und Hitzeschutzfolien für bestimmte Bereiche bestellt, um für Abkühlung zu sorgen, heißt es auf Anfrage. Hier betont man ganz klar: Die Krankenhäuser könnten die Herausforderungen des Klimawandels nicht alleine bewältigen. Man sehe vor allem das Land in der Verantwortung, in klimaresiliente Gebäude, energetische Sanierungen und Kühlsysteme der Krankenhäuser zu investieren.
Autorin: Anika Peltzer




