
Heizungsgesetz abgeschafft - Wie Mönchengladbach reagiert
Der Bundestag hat das bisherige Heizungsgesetz aufgehoben. Die 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen entfällt und auch neue Öl- und Gasheizungen sind unter Auflagen wieder möglich. Was die Politik in Mönchengladbach davon hält...
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.02.2026 11:58
CDU: Mehr Vernunft und bessere Planbarkeit
Für den Mönchengladbacher Bundestagsabgeordneten Günter Krings ist die Abschaffung ein wichtiges Signal für mehr Akzeptanz in der Klimapolitik. Viele Eigentümer hätten die bisherigen Regeln als starr, kurzfristig und schwer kalkulierbar empfunden. Verbindliche Quoten, enge Fristen und unklare Förderbedingungen hätten für Verunsicherung gesorgt.
Die Union setzt nach eigenen Angaben auf Technologieoffenheit statt auf pauschale Verbote. Die 65-Prozent-Vorgabe entfällt. Öl- und Gasheizungen bleiben grundsätzlich möglich – insbesondere, wenn sie mit klimafreundlichen Übergangstechnologien kombiniert oder perspektivisch umgestellt werden können. Förderprogramme sollen fortgeführt, aber transparenter und stärker an Familien, ältere Menschen und kleinere Eigentümergemeinschaften angepasst werden. Klimaschutz solle sozial tragfähig und alltagstauglich gestaltet werden.
FDP: Entlastung für Eigentümer und Investoren
Die FDP Mönchengladbach hält die Abschaffung für überfällig - hätte aber noch lieber gar keine Regulierungen mehr gehabt. Das bisherige Gesetz sei dennoch realitätsfern gewesen und habe Bürger mit Bürokratie und finanziellen Belastungen überfordert. Die Neuregelung bringe zunächst Entlastung und mehr Planungssicherheit – für Eigentümer, Mieter und Investoren.
Den Wegfall der 65-Prozent-Regel begrüßt die FDP ausdrücklich. Klimaschutz müsse technologieoffen gedacht werden. Eigentümer sollten selbst entscheiden können, ob sie auf Wärmepumpe, moderne Gasheizung oder andere Lösungen setzen. Ab 2027 ist zudem ein neuer CO₂-Emissionshandel für den Gebäudesektor geplant. Das sei marktwirtschaftlicher Klimaschutz. Zugleich will die FDP mögliche neue Detailvorgaben – etwa steigende Grüngas-Anteile – kritisch begleiten.
Grüne: Rückschritt für Klimaziele und Wärmewende
Die Grünen in Mönchengladbach bewerten die Reform als schweren Fehler. Die 65-Prozent-Vorgabe habe Investitionen in erneuerbare Wärme gelenkt und Planungssicherheit geschaffen. Ihr Wegfall verzögere den Umstieg auf Wärmepumpen, Solarthermie und Wärmenetze.
Der Gebäudesektor verursache rund 15 Prozent der CO₂-Emissionen in Deutschland. Ohne klare Vorgaben drohten höhere Emissionen, steigende CO₂-Kosten und neue Abhängigkeiten von fossilen Energien. Die geplante Biomethan-Quote reiche aus Sicht der Grünen nicht aus, da entsprechende Mengen knapp und teuer seien. Zudem entstehe Unsicherheit für Haushalte und Handwerk – gerade auch mit Blick auf die kommunale Wärmeplanung in Städten wie Mönchengladbach. Haushalte mit geringem Einkommen bräuchten verlässliche Förderung und gezielte Unterstützung.
Linke: Soziale Risiken und fehlende Verlässlichkeit
Auch die Die Linke in Mönchengladbach lehnt die Abschaffung ab. Während viele Kommunen ihre Wärmeplanung voranbringen, sorge eine neue gesetzliche Grundlage für zusätzliche Unsicherheit. Städte und Bürger bräuchten stabile Rahmenbedingungen.
Die Streichung der 65-Prozent-Regel sende das falsche Signal. Biomethan sei knapp und teuer, die vorgesehenen Mengen reichten nicht aus. Wenn das Gasnetz perspektivisch schrumpfe, würden die Netzkosten auf weniger Haushalte verteilt. Für die verbleibenden Kundinnen und Kunden könne das teuer werden – zusätzlich zu steigenden CO₂-Preisen. Besonders Mieter mit geringem Einkommen seien gefährdet. Ein Ausstieg aus der Gasheizung müsse sozial abgesichert und stärker öffentlich organisiert werden.
IW: Reform könnte Haushalte spürbar belasten
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft bewertet die Reform kritisch. Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel und die Einführung einer Grüngasquote gingen aus Sicht der Wirtschaftsforscher in die falsche Richtung.
Nach IW-Berechnungen könnte ein Zwei-Personen-Haushalt bis 2035 rund 350 Euro mehr pro Jahr zahlen. Kurzfristig lasse sich die Quote noch mit Biomethan erfüllen, später werde teurer Wasserstoff nötig. Haushalte konkurrierten dabei mit der Industrie um knappe klimafreundliche Gase. Neben steigenden CO₂-Preisen und Netzentgelten drohten zusätzliche Mehrkosten. Die Reform schaffe damit neue Unsicherheiten – für Eigentümer ebenso wie für Unternehmen.