
Bessere Entschädigung für Opfer sexualisierter Gewalt
Das Bistum Aachen hat einen einfacheren Prozess versprochen und will grundsätzlich mehr Zahlen. Es gibt auch Kritik.
Veröffentlicht: Sonntag, 01.11.2020 10:51
Das Bistum Aachen bietet den Betroffenen von sexualisierter Gewalt jetzt schnelle und unbürokratische Hilfe an. Konkret werden die Zahlungen zur Anerkennung des Leids neu und einheitlich geregelt. Dafür will das Bistum mit allen ihr bekannten Betroffenen, auch denjenigen, die schon Zahlungen erhalten haben, bis zum Jahresende direkt Kontakt aufnehmen. Zahlungen an Betroffene werden ab dem nächsten Jahr durch ein unabhängiges Gremium festgelegt. Die Höhe orientiert sich an den staatlich festgesetzten Schmerzensgeldzahlungen. Darüber hinaus biete man Betroffenen auch weitere Hilfen und die Erstattung von Therapien an, so das Bistum. Für die Zahlungen sollen keine Kirchensteuermittel verwendet werden. Viel zu oft habe in der Vergangenheit der Selbstschutz der Kirche über dem Schutz der Betroffenen gestanden. Das dürfe sich nicht mehr wiederholen, so der Aachener Bischof Dieser. Das Vorhaben ist nicht ohne Kritik geblieben: schon Ende September hatte der Interessenverband "Eckiger Tisch" eine ähnliche Entscheidung der deutschen Bischofskonferenz scharf kritisiert. Es ginge nicht um ein einfaches Schmerzensgeld, stattdessen müsse es um einen Ausgleich für jahrzehntelange systematische Vertuschung und Verdunkelung von Verbrechen an Kindern und Jugendlichen durch die Institution Kirche gehen. Zuletzt hat das Bistum eine externe Anwaltskanzlei beauftragt alle Personalakten der letzten Jahre auf systemische Ursachen und Verantwortliche von sexualisierter Gewalt hin zu überprüfen